Berlinfahrt 2010

Bocholt meets Berlin
Kulturelle und politische Begegnung

Am 20. Januar hieß es für die Schüler des Leistungskurses Sozialwissenschaften der Stufe 12: "Kragen aufstellen, Mütze auf, lange Unterbuchse an!" Geplant war eine Exkursion nach Berlin mit den zwei thematischen Schwerpunkten „Internationale Sicherheitspolitik“ und „Sozialpolitik“, doch daraus wurde ein Überlebenstraining in Sibirien-ähnlichen Verhältnissen: Bei bis zu -14 Grad schlugen wir uns vier Tage lang durch den Großstadtdschungel. Auf dem straffen Programm stand neben einer selbst organisierten historisch-politischen Stadtführung u. a. die Verfolgung der im Bundestag geführten Haushaltsdebatte 2010, eine Diskussion mit unserem Bundestagsabgeordneten Herrn Röring, der Besuch der Ausstellung zur Sozialgeschichte im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, ein Gesprächstermin im Verteidigungsministerium und der Besuch der Stasi-Haftanstalt Hohenschönhausen.

Die multikulturelle Zusammensetzung des Kurses verhalf uns zu interessanten Gesprächen: So konnte unsere Portugiesin bereits auf dem Hinflug den kalten Temperaturen mit Hilfe von heißen Flirts mit den portugiesischen Stewards Paroli bieten. Unser Afghane trug maßgeblich zur Diskussionsrunde im Verteidigungsministerium in Sachen Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr bei. In einem Berliner Döner-Imbiss fand unsere Kurdin schnell einen viertelstündigen Nebenjob, der uns noch zu einer vitaminreichen kostenlosen Obstversorgung verhalf. Unser Möchtegern-Halbspanier zettelte in der U-Bahn ein intensives Gespräch mit einem Revolutionär an, der bereits mit seinem Buch für mehr Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt kämpfte und unseren jungen Sowi-Freund kurzerhand als Spanisch-Übersetzer verpflichtete. Noch heute warten wir auf die Email mit dem sicherlich interessanten Manuskript. Unser halbitalenischer Argentinier brachte mit seinem Nationalitätenmix das gesamte Flughafenpersonal in Schwung. Angesteckt von dieser Multi-Kulti-Hysterie versuchte ein Kursteilnehmer, sich von unserer Dame aus Bahrain einen Afro-Rasta-Look verpassen zu lassen, jedoch reichte es nur für einen Milli-Vanilli-Abklatsch. Autogrammkarten sind aber bereits im Druck.

Die abendlichen Veranstaltungen umfassten musikalische, tänzerische und kulinarische Höhepunkte, aber auch die Finanzierung der Fahrt beim abendlichen Pokerspiel mit dem Herbergsvater.

Am 24. Januar kehrte der gesamte Kurs wohlbehalten und sozial- und verteidigungspolitisch erleuchtet in den Bocholter Frühling (nur -2 Grad) zurück. Der Millenniums-Sowi-LK wird diese Fahrt wohl nicht so bald vergessen.

berlin2010